Der Knast hat heute geschlossen oder: Was macht die Taube im Hafthaus?

Inklusion, Integration

Träger/Initiator:

JVA Adelsheim
Dr. Traugott-Bender Straße 2
74740 Adelsheim
Projektleiterin: Irmtraud Friedlein
E-Mail: Irmtraud [dot] Friedlein [at] jvaadelsheim [dot] justiz [dot] bwl [dot] de

Teilnehmer:

ca. 35 männliche Jugendstrafgefangene und 15 Musiker des LJO

Kooperationspartner:

Landesjugendorchester (LJO) Baden-Württemberg

 


Projektbeschreibung

Zwischen der JVA Adelsheim und dem LJO Baden-Württemberg haben schon mehrfach Musikprojekte stattgefunden, sie sind beiderseits sehr beliebt. Ziel ist die kulturell-soziale Teilhabe und Erziehung für jugendliche Häftlinge durch das Erarbeiten und Aufführen klassischer Musikstücke/-theaterwerke in Kooperation mit einem Jugendorchester.

Dieses neue Stück wird wie folgt skizziert: „Weihnachten in der JVA. Die meisten der Vollzugsbeamten sind bei ihren Familien, eine Notbesatzung hält die Stellung. Keine gute Ausgangslage für ein besinnliches Fest, finden diejenigen, die hinter Anstaltsmauern diesen Tag verbringen müssen... Alle Gespräche münden in Streit, ein provozierendes Wort gibt das andere, doch da ist plötzlich diese verletzte Taube im Hafthaus…“

Das Projekt wird mit drei Theater-, Musik- und Sozialpädagogen in drei Workshops von je 5 Tagen erarbeitet, gesanglich sowie über Sprache, neue Texte und Rhythmen. Die Musiker des LJO treffen mit den Insassen 3 bis 4 Tage vor der Aufführung zusammen und proben in diesem Workshop gemeinsam in der JVA.

Das Projekt konfrontiert die Häftlinge mit Fremdartigkeiten und Überforderungen und verlangt ihnen großen Mut ab. Dies ist gewollt und bereits erprobt, denn es bringt die Teilnehmer zu sich selbst, indem sie zunächst radikal von sich selbst abgelenkt werden. Es wird kein Stück erarbeitet, das ihre eigene problematische Jugend abbildet, sondern sie arbeiten ganz bewusst mit Musikstücken der sogenannten Hochkultur, wie z.B. Bachs Kantate "Herz und Mund und Tat und Leben".

Sie lernen Noten lesen und verstehen, singen, agieren, sich emotional zu entäußern und zugleich kontrolliert zu sein, das Meistern der Zeit sowie die Koordination vielfältiger Achtsamkeiten. Sämtliche Kulissen, Requisiten und Kostüme werden von den Teilnehmern mithilfe der Ausbilder selbst erstellt. Hierbei entwickeln sie Kompetenzen, die sie im "normalen" Leben gebrauchen können. Es geht um das Erleben einer positiven gemeinschaftlichen Anstrengung, das Bewältigen einer komplexen Aufgabe, das Erkunden von Neuland, um Freude und Stolz.

Abschließend folgt eine Aufführung des Musiktheaterstücks vor Eltern, Verwandten und Freunden in der JVA. Hier performen die Häftlinge auf eigenen Wunsch hin auch etwas Eigenes, das sie ohne Hilfe der Leiterinnen gemeinsam mit den Musikern des LJO einstudieren.

Die Musiker des LJO erleben in der JVA unmittelbarer und stärker, dass sie wirksam sind und dass ihr Engagement Leben verändern kann, was das Gefühl bloßen Erfolgs weit übertrifft.

65% der teilnehmenden Jugendliche aus der JVA haben einen Migrationshintergrund. Das Projekt läuft von Oktober bis Dezember 2013. Die Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung unterstützt das Projekt mit einer Fördersumme in Höhe von 4.400 Euro.